Die Blutegeltherapie
umgangssprachlich auch "Mikro-Aderlass" genannt, gehört mit zu den ältesten Therapieformen, die wir kennen, so dass uns ein sehr großer Erfahrungsschatz zur Verfügung steht. Gerade in der heutigen Zeit gewinnt die Blutegeltherapie wieder mehr an Popularität.
Einsatzgebiete der Blutegeltherapie bei Pferden
Akute Hufrehe, Hufrollenerkrankung, Spat, Kniegelenksarthrose, Schale, Periodische Augenentzündung, Patellaluxation, Gelenkgallen, Schleimbeutelentzündungen, traumatisch bedingte Arthritis, Sehnen- und Sehnenscheidentzündung, OCD und Nackenbeule.
Beim Hund
HD-Hüftgelenksdysplasie, Arthrose im Ellbogengelenk oder Schultergelenk, Spondylose, akuter Bandscheibenvorfall mit und ohne Kompression des Rückenmarkes.
Man kann den Blutegel aber auch an speziellen Akupunkturpunken ansetzen.
Ein Blutegel saugt, je nach Größe, 20-50 ml Blut. Durch die Wunde fließt etwa die gleiche Menge Blut beim Nachbluten ab. Infolge seiner ziehharmonikaartig gefalteten Haut ist der Egel in der Lage, das 6-10-fache seines Körpervolumens aufzunehmen.
Was macht diese Therapie so wirkungsvoll?
Nachdem der Egel zugebissen hat, sondert er seinen Speichel in die Wunde. In diesem Speichel befinden sich mehrere Wirkstoffe wie:
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Blutegelspeichel (nachweislich keimfrei) |
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Bewirkt eine schnelle Gerinnungshemmung des Blutes, indem es das für die Gerinnung nötige Thrombin inaktiviert |
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Sorgt für eine ca. 12-stündige Hemmwirkung auf den Verschluss der Wunde, ist daher für das lange Nachbluten verantwortlich (was auch unbedingt erwünscht ist) |
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Bereitet den Weg für die heilsamen Substanzen vor; man sagt ihm antibiotische Eigenschaften nach, was aber umstritten ist |
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Haben entzündungshemmende Eigenschaften |
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Hat enzymhemmende Eigenschaften |
Durch diese Wirkungen erzeugt der Biss eine Entlastung des lokalen entzündlichen Prozesses. Des weiteren wird eine Umstimmung des ganzen Organismus ausgelöst.
Wie läuft die Therapie ab?
Nach einer gründlichen Diagnostik wird die Stelle, an dem der oder die Egel beißen sollen, rasiert und mit einer sterilen Nadel angeritzt, um den/die Egel möglichst punktgenau einsetzen zu können. Mit seinen drei sternförmig angeordneten Sägeleisten mit jeweils ca. 80 Kalkzähnchen raspelt er sich vorsichtig durch die Haut. Die Bissstelle hat das Aussehen eines "Mercedes"-Sterns. Der Biss des Egels ist relativ schmerzarm.
Aus eigener Erfahrung und den Erfahrungen anderer Personen, wurde der Biss folgendermaßen beschrieben: leichtes Brennen wie ein Brennnesselstich, Mückenstich oder völlig schmerzfrei. Die meisten Tiere bleiben völlig unbeteiligt stehen, manche zeigen leichte Abwehrbewegungen, als würden sie Fliegen verjagen wollen.
Hat der Egel angebissen, beginnt er mit wellenartigen Bewegungen zu saugen. Nach Beendigung des Saugvorgangs lässt sich der Egel einfach fallen.
Es ist noch mal darauf hinzuweisen, dass gerade das anschließende Nachbluten gewünscht ist und möglichst nicht durch Kompressen zum Stoppen gebracht werden soll. Das sieht zwar nicht besonders appetitlich aus, lässt sich aber am nächsten Tag leicht mit Wasser abwaschen.
Der Egel erscheint den meisten Menschen als wenig ansehnlich, was verständlich ist, da nur wenige Menschen mit ihm in Kontakt kommt, um ihn sich mal richtig anzuschauen. Es sind sensible Tiere, die auf Unruhe und Gerüche reagieren. Sie besitzen eine sehr schöne Rückenzeichnung und leben in sauberen und kalkarmen Gewässern. Sie benötigen nur alle 1-2 Jahre eine Mahlzeit und können bis zu 30 Jahre alt werden.