Meine Erfahrungen beruhen auf einer 26-jährigen Zusammenarbeit mit Pferden, ihren Reitern und Besitzern.
Gegenseitiger Respekt (nicht zu verwechseln mit Angst), Vertrauen und Verständnis sind die oberste Direktive. In den langen Jahren habe ich immer wieder festgestellt, dass fast alle Pferde, wenn man es zulässt und sie geistig und körperlich nicht überfordert, gerne und willig bei der Zusammenarbeit mitwirken. Manche Reiter/Pferdebesitzer verstehen nicht die Zusammenhänge, warum z.B. ein Pferd heute gut an allem vorbeigeht und am nächsten Tag sogar schon vor vermeintlichen Staubkörnern scheut. Genauso wie wir, haben auch Pferde gute und schlechte Tage.
Beispiele:
"Bei Wind ist er/sie nicht mehr zu gebrauchen..."
Das Pferd hat trichterförmige Ohren, die mit Haaren besetzt geschützt/bewachsen sind. Bei vermehrtem Wind entstehen wirbelnde Geräusche im Ohr (zu vergleichen mit dem Meeresrauschen der Muschel am eigenem Ohr). Weil sie nicht mehr richtig hören können, werden Pferde bei Wind häufig nervös und wollen am liebsten flüchten.
"Mein Pferd scheut vor jeder Kleinigkeit..."
Ein Pferd besitzt auf Grund der seitlichen Lagen seiner Augen eine große Rundumsicht von nahezu 355°. Jedes Auge für sich sieht allerdings nur eindimensional. Dadurch sieht für ein Pferd zum Beispiel ein Fleck in der Reithalle oder ein Strauch im Gelände anders aus, wenn er mit dem rechten oder linken Auge gesehen wird. Nur mit dem geradeaus gerichteten Blick kann das Pferd mit beiden Augen die "Gefahr" erkennen. Sie können auch Bewegungen in weiter Ferne wahrnehmen, was sie hin und wieder veranlasst, plötzlich (meist ohne Vorwarnung) stehen zu bleiben und angespannt in eine Richtung zu schauen (die Lage sondieren, ob Gefahr besteht).
"Gestern lief er/sie traumhaft. Heute scheint er/sie alles vergessen zu haben..."
Wissen Sie immer, was in der vergangenen Nacht oder den ganzen Tag lang im Stall/auf der Weide oder auf dem Paddock los gewesen ist? Ob Ihr Pferd geschlafen hat oder ob es in der Nacht durch Unruhe (Katzen, die sich prügelten/ein streunender Fuchs, der Lärm gemacht hat), Krach (Gewitter/Schmerzen eines Boxennachbarn) oder Sonstigem nicht zur Ruhe gekommen ist? Ob es Streit mit einem seiner Kumpel hatte? Oder große Aufregung durch lärmende Traktoren, Autos, Kinderscharen etc? Das und noch mehr können Gründe sein, warum ein Pferd unkonzentriert ist und es den Anschein macht, als hätte es keine Lust zur Mitarbeit.
Auch wenn man es nicht immer merkt, sind Pferde sehr sensible Tiere, die Gemütsstimmungen oder eventuelle Schmerzen (Kopf-/Rückenschmerzen etc.) oder Anspannungen seines Reiters/Besitzers registrieren. Der Mensch sollte das Leittier sein. Ihm vertraut das Pferd. Treten nun solche Gemütsstimmungen auf, versteht das Pferd diese nicht und ist in Alarmbereitschaft (Spannung) versetzt.
Der Reiter reagiert wiederum mit Unverständnis auf sein Tier, das Tier wieder auf ihn und so ergibt sich eine Endlosschleife.
Das sind nur Bespiele, die bei einem gesunden Tier auftreten können.